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Haarausfall ist keine Lappalie
Medizin - Medizin Mann


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sxc_1148993_15145234_man-withDer Verlust des Kopfhaares (Alopezie) ist ein Ereignis, das die Betroffenen oft erheblich belastet. Mit dem Haarausfall werden häufig Vorstellungen verknüpft, die sich negativ auf das Selbstbewusstsein auswirken und in manchen Fällen zu psychischen Problemen führen können.

In Deutschland sind ca. 60% der Männer von Haarausfall betroffen, bei Frauen ist die Quote niedriger anzusetzen. Man schätzt, dass nur jede zehnte Frau betroffen ist.

Definition und Ursachen

Unter Alopezie versteht man einen Haarausfall, der durch die nachwachsenden Haare nicht mehr kompensiert werden kann und zu sichtbarem Haarverlust führt (Glatzenbildung). Ein Verlust von 100 Haaren pro Tag ist normal, bei über 100 Haaren spricht man von Haarausfall. Allerdings muss dieser erhöhte Haarverlust über mehrere Tage konstant nachweisbar sein; an einzelnen Tagen können schon mal über 100 Haare ausfallen.

Mögliche Ursachen

Die Ursachen des Haarausfalls lassen sich grob in drei Gruppen einteilen:
  • Diffuser Haarausfall
  • Kreisrunder Haarausfall (Alopezia areata)
  • Androgenetischer Haarausfall
Von diesen drei Gruppen ist der androgenetische (hormonbedingte) Haarausfall die am häufigsten zu beobachtende Form. Die Ursachen für den diffusen Haarausfall sind vielfältiger Natur. Man kann ihn noch in umkehrbare (reversible) und nicht umkehrbare (irreversible) Formen unterteilen, je nachdem, ob die Haarfollikel noch erhalten sind oder nicht.

Faktoren, die zu einem umkehrbaren Haarausfall führen können, sind z.B.:
  • Stress
  • Blutarmut
  • Eisenmangel Infektionen
  • Fasten
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • hormonelle Störungen (z.B. Absetzen der Pille)
  • nach einer Geburt
  • Pilzerkrankungen
  • Medikamente (z.B. Antibiotika), Gift (z.B. Quecksilber)
Es gibt aber auch Erkrankungen oder Verhaltensweisen, bei denen der Haarausfall nicht umkehrbar ist. Hier sind beispielhaft zu erwähnen:
  • Verbrennungen / Verätzungen
  • bakterielle Infektionen / Pilzinfektionen
  • Krebserkrankungen
  • Sklerodermie
  • Lupus erythematodes
  • psychische Erkrankungen mit Haarausreißen
  • Fehlsteuerung des Immunsystems?
Die Ursachen einer Alopezia areata sind heute noch unklar. Man vermutet eine Fehlsteuerung des Immunsystems, wobei die körpereigene Abwehr auf Bestandteile des Haares reagiert und die Haarwurzeln dadurch in eine vorgezogene Ruhephase versetzt werden. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen. Allerdings ist auch Stress als ein Auslöser für die Erkrankung beschrieben worden. Von der Erkrankung kann nicht nur das Kopfhaar betroffen sein, in seiner ausgeprägten Form findet sich der Haarausfall dann am gesamten Körper (z.B. Wimpern, Augenbrauen, Achselbehaarung). Glücklicherweise wachsen bei gut einem Drittel der Betroffenen die Haare innerhalb von 6 Monaten nach.

Bei der androgenetischen Alopezie liegt dem Haarausfall eine Schädigung des Haares durch das männliche Hormon Testosteron zugrunde. Hier ist aber nicht, wie vielfach angenommen, ein erhöhter Testosteronspiegel für diese Schädigung verantwortlich, sondern eine wohl angeborene Empfindlichkeit der Haarwurzeln auf Testosteron. Da Männer wesentlich höhere Testosteronspiegel haben als Frauen, trifft man diese Form der Alopezie auch beim Mann viel häufiger an.

Die Symptome

Beim diffusen Haarausfall zeigt sich ein allgemeiner ("generalisierter") Verlust an Haaren. Der Abfluss der Dusch- oder Badewanne kann plötzlich mit Haaren gefüllt sein, oder im Kamm bleiben viel mehr Haare hängen als sonst üblich. Später kann man dann zwischen den Haaren hindurch auf die Kopfhaut sehen. Die Symptomatik der Alopezia areata weist andere Charakteristika auf. Wie es der Name beschreibt, lässt sich plötzlich ein runder Fleck auf dem Kopf entdecken, in dem die Haare nicht mehr wachsen. Dieser runde Fleck dehnt sich dann langsam weiter aus. In den Randbezirken des Flecks lässt sich oft noch ein kleiner Haarflaum nachweisen.

Beim androgenetischen Haarausfall ist das Auftreten im Gegensatz zu den vorgenannten Formen nicht plötzlich, sondern es kommt langsam, meist über Jahre, zu dem typischen Bild: Zuerst bilden sich Geheimratsecken, später entsteht eine runde Stelle am Hinterkopf, und schließlich wachsen die lichten Stellen zusammen und es bleibt meist nur noch ein Haarkranz.

Therapie (diffuser und kreisrunder Haarausfall)

Im Falle eines diffusen Haarausfalls gilt es, erst einmal die zugrunde liegende Erkrankung zu erkennen. Wird sie erfolgreich behandelt, lässt auch der Haarausfall nach. So kann man z.B. die für den Haarausfall verantwortlichen Medikamente absetzen, Giftstoffe eliminieren, die Schilddrüsenerkrankung behandeln usw.

Im Falle der Alopezia areata gestaltet sich die Behandlung schwierig. Eine Standardtherapie gibt es nicht, und die Wirksamkeit vieler gängiger Therapiekonzepte darf bezweifelt werden. Allerdings ist die Selbstheilungsrate bei der Alopezia areata recht hoch: In 30 % der Fälle kommt es zu einer spontanen Rückkehr des Haarwachstums innerhalb von 6 Monaten; weitere 30 % der Betroffenen stellen eine Rückkehr des Haarwachstums nach einem Jahr fest. Zinkpräparate werden verwendet, und auch eine hochdosierte Kortisontherapie kommt in Deutschland zum Einsatz, ohne dass eine eindeutige Wirkung nachgewiesen ist. In Erprobung befindet sich die lokale Behandlung mit Diphencyprone (DCP) bei Patienten, die einen totalen Haarverlust erlitten haben. In Studien wurden innerhalb von 6 Monaten Erfolgsraten von ca. 30 bis 50 % erzielt; es wurden aber auch deutliche Nebenwirkungen festgestellt.

Die Prognose

Die androgenetische Alopezie war jahrelang ein Phänomen, das man(n) hinnehmen musste, weil es nicht zu ändern war. Mittlerweile gibt es nebenwirkungsarme und potente Medikamente, die das Haarwachstum fördern, wobei die Ansprechraten sehr hoch sind. Der Traum von vollem Haar bis ins Alter ist daher nicht mehr unrealistisch. Anders sieht die Lage bei der Alopezia areata aus. Hier hat sich noch keine Standardtherapie etabliert, so dass weitere Forschungsarbeit auf diesem Gebiet notwendig ist. Die Selbstheilungsrate ist jedoch hoch, so dass die meisten Patienten auf eine spontane Rückbildung der Erkrankung hoffen können.
 

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