Tatsache ist, dass ältere Menschen gern zu asexuellen Wesen deklariert werden. Eine positive Einstellung mit einer Bejahung der Sexualität wertet sie als Zeichen der Selbstakzeptanz. Ob ein Paar im höheren Alter noch sexuelle Lust aufeinander hat, wird weitgehend von der sexuellen Vorgeschichte bestimmt. Wer sexuelle Aktivität, Fantasie und Vielseitigkeit in jüngeren Jahren besaß, der wird dies auch im Alter beibehalten.
Nur jeder Sechste nicht aktiv
Offensichtlich haben nicht wenige Senioren davon in ausreichendem Maße, wie aus mehreren Befragungen zur Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs im Alter hervorgeht. Danach bezeichneten sich in der Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen nur 16 % als "sexuell nicht aktiv". Die anderen hatten bis zu dreimal die Woche Intimkontakt mit ihrem/einem Partner. Lebhaft geht es auch in den Betten der 70- bis 79-Jährigen zu: 73 % wollen und können regelmäßig den Beischlaf vollziehen. Immerhin noch 60 %, so die Statistik, tun dies in der Altersgruppe von 80 bis 91 Jahren. Individuell bestehen bei der Quantität allerdings große Unterschiede. Die Angaben reichen von "weniger als einmal im Monat" bis zu "dreimal pro Woche".
Wenn ein Drittel der über 70-jährigen Frauen angibt, keine Sexkontakte mehr zu haben, dann liegt das oft nicht an einer erloschenen Libido, sondern am fehlenden Partner. Wer aber nun glaubt, dass sich für partnerlose Senioren, egal ob Frau oder Mann, das Thema "Sex" endgültig erledigt habe, der irrt. "Hilf dir selbst" lautet das Motto. Masturbation genießt einen hohen Stellenwert für den Erhalt der sexuellen Ausgeglichenheit bei den über 65-Jährigen. Immerhin jeder zweite Mann und jede dritte Frau in dieser Gruppe onanieren mindestens einmal im Monat. Bei "mehrmals die Woche" stimmen noch 17 % der befragten Männer zu, aber nur noch 2 % der Frauen. Heiße Nummer auch ohne Koitus
Was die erotischen Fantasien und die sexuellen Techniken anbelangt, so hat Sexualität im Alter zahlreiche Facetten. Viele Sexualtherapeuten berichten aus den Erfahrungen in der eigenen Praxis, dass für Senioren "Erotik und Sexualität mehr ist als Genitalität". Bei Befragungen nennen ältere und alte Menschen alle Formen der erotisch sexuellen Kontaktaufnahme, besonders häufig aber manuelle und orale Kontakte. Wohl zum Teil bedingt durch körperliche Unpässlichkeiten - das "beste Stück" des Mannes war vielleicht früher einmal standhafter, die Vagina der Frau elastischer und schneller aufnahmebereit - sprechen Senioren auch dann von "gutem Sex" und einer "heißen Nummer", wenn es nicht zur genitalen Vereinigung kommt oder gekommen ist.
"Beide Geschlechter haben an Aktivitäten wie Händchenhalten, Küssen und Umarmungen ähnliches Interesse, d.h., der Beziehungs- und der Erotikkomplex nehmen mit zunehmendem Alter an Bedeutung zu, die Genitalität ab", so die Erfahrungen der Sexualtherapeuten. Auch Männer würden mit zunehmendem Alter erkennen, "dass Körper und Seele untrennbar miteinander verbunden sind". Nicht mehr das Leistungsprinzip zähle, dafür würde Wert auf Zärtlichkeit, Nähe und Geborgenheit gelegt, und der "erigierte Penis tritt als Hauptdarsteller von der sexuellen Bühne ab".

























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